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Selbstfürsorge ist (k)ein Muss


Eine Hand greift in Richtung Sonne, die über einem großen See untergeht.


Ich war die letzten 5 Wochen krank. Erst Covid, dann Laryngitis, dann Pharyngitis. Ich musste viele Stunden und Engagements im Dezember absagen. Das tat weh, nicht nur finanziell. Mir wurde wieder bewusst, wie selbstverständlich ich meine Gesundheit nehme, wieviel ich mir und meinem Körper abverlange. Es geht. Bis es eben nicht mehr geht. Ich war verzweifelt.


Nicht jetzt, dachte ich. Nicht schon wieder. Nicht so lang. Ich muss unbedingt wieder gesund werden, ich kann es mir nicht leisten, so viel Arbeit abzusagen. Ich muss wieder fit werden. Ich muss wieder arbeiten können. Mein Körper nutzte meine Ungeduld schamlos aus, um mir die wohl wichtigste Erkenntnis vor Augen zu führen: Es ist so, akzeptiere es endlich, du bist krank.



„Du hast Macht über deinen Geist, nicht über Geschehnisse außerhalb dessen. Erkenne das, und du wirst Stärke finden.“


— Mark Aurel



Das hat gesessen. Ja, ich war krank. Als ich endlich meine Situation akzeptierte, fühlte ich sofort diese immense Erleichterung, diese Entspannung, diese Freiheit. Ich musste nicht mehr gegen mein Kranksein kämpfen. Völlige Akzeptanz. Und plötzlich überkam mich dieses Gefühl, mich selbst in den Arm nehmen zu wollen, zu fragen: „Was ist mit dir? Was brauchst du?" Zu sagen: „Es tut mir leid, dass ich dir zu viel abverlangt habe." Aus einem „ich muss endlich wieder gesund werden" wurde ein „ich möchte gesund werden". Ich möchte mich um mich kümmern, meinen Körper pflegen und ihm alles geben, was er braucht, um zu heilen.


Ich fing an, meine Behandlungen nicht mehr als Pflichtprogramm abzuarbeiten, um schnell wieder gesund zu werden. Im Gegenteil: Nasendusche, Inhalieren, Gurgeln, Meditieren, Mittagsschlaf waren auf einmal willkommene Bestandteile meines Tages, weil sie mir gut taten. Gesunde Nahrungsmittel waren ein Geschenk an meinen Körper. Leichte Feldenkraisübungen und Yogasequenzen halfen, die Lebensgeister zurückzuholen und den Körper zu erden.


Ich verfluchte meine Situation nicht mehr, sondern nahm sie als Möglichkeit an, mir selbst wieder Aufmerksamkeit zu schenken, mich wertzuschätzen, in mich zu investieren. Aus dem Muss wurde ein Will. Das tat unwahrscheinlich gut.


Gerade klingt die letzte Erkrankung allmählich aus. Ich befinde mich auf dem Weg der Besserung. Ich bereite mich auf die Zeit vor, in der ich wieder gesund bin. Das heißt, ich nehme bestimmte Dinge, die mir in den letzten Wochen wirklich gut taten, in meine täglichen Routinen auf. Ich verankere sie, sodass sie im Trubel des gewöhnlichen Alltags nicht verloren gehen. Und ich schreibe diese Zeilen, um mich immer wieder daran erinnern zu können, welches Geschenk es ist, gesund zu sein, und welche Verantwortung ich trage, gesund zu bleiben.

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